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Die Hansabibliothek wird Ende 2019 in neuem Licht erstrahlen. Im Rahmen des Programms „Nationale Projekte des Städtebaus“ fließen über zwei Millionen Euro in die denkmalgerechte Sanierung der Bücherei. Nach fünf Jahren Bauphase soll diese – den Ideen ihres Architekten entsprechend – wieder hellen und offenen Raum für Kultur, Information, Bildung und Kommunikation bieten.

Menschen willkommen

Werner Düttmann (1921–1983), der Berliner Architekt und Stadtplaner, stellte im Jahr 1957 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung sein attraktives Konzept der Hansabibliothek vor – sie wurde als erste Freihandbibliothek in Deutschland konzipiert. In lichtdurchfluteten Räumen und einem Lesegarten sollten sich die Besucher wohlfühlen und in aller Ruhe der Literatur hingeben können. „Heute ist die Zeit gekommen, in der sich Düttmanns Architektur voll entfalten kann“, erklärt Raimar Oestreich, Leiter der Stadtteilbücherei Hansabibliothek. „Im Gegensatz zu Bibliotheken der 1960er-, 70er- und 80er-Jahre, die vor allem viele Medien bereitstellen und Ausleihen generieren wollten, steht jetzt im Fokus, den Bibliotheksraum für viele Menschen zu öffnen.“

Also Regale raus für eine neue Transparenz nach Düttmanns ursprünglichen Vorstellungen. Nach den Sanierungsarbeiten können Bücherfreunde vom Garten wieder durch das Gebäude bis hin zur Straße blicken, sie werden selbst Bestandteil des Raumes. Oestreich betont: „Es gibt einen Paradigmenwechsel im Bibliothekswesen durch die digitalen Medien. Das Buch als E-Book ist überall virtuell abrufbar, der Mensch dagegen braucht weiterhin einen Ort zum Lesen, Lernen und sich begegnen. Die Bücherei soll daher allen Menschen offenstehen.“ Den Blick ins Grüne richten und verweilen, sich aufwärmen und miteinander ins Gespräch kommen – all dies wird ebenfalls unentgeltlich in der neuen Hansabibliothek möglich sein. Lediglich zum Ausleihen der Medien wird ein Ausweis benötigt.

BIBLIOTHEK HEUTE

„Es gibt einen Paradigmenwechsel im Bibliothekswesen durch die digitalen Medien. Das Buch als E-Book ist überall virtuell abrufbar, der Mensch dagegen braucht weiterhin einen Ort zum Lesen, Lernen und sich begegnen. Die Bücherei soll daher allen Menschen offenstehen.“
Raimar Oestreich, Leiter der Stadtteilbücherei Hansabibliothek

Lebenswertes Hansaviertel

Die Sanierung der Hansabibliothek stellt eine von vier Teilmaßnahmen des Projekts „Hansaviertel – Stadt von morgen“ dar. Zielsetzung ist, die herausragende Architektur der Nachkriegsmoderne aufzuwerten, hier das lichte Gebäude mit dem wunderschönen Atrium als Lesegarten. „Wir haben zwei große Herausforderungen zu meistern“, erklärt Dr. Ramona Dornbusch, Referentin für Welterbe und Leiterin des Projekts vom Landesdenkmalamt Berlin. „Zum einen die Instandsetzung während des laufenden Büchereibetriebs und dazu die Konservierung der Materialien und Technologien, wie sie Ende der 1950er-Jahre verwendet wurden.“ Schließlich soll die damalige Zeit so authentisch wie möglich in die Gegenwart übertragen werden.

Erster Einblick

Mit den gewährten Fördermitteln konnten von 2015 bis heute zahlreiche notwendige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden: Die Betonfassade wurde überholt, die Fenster erneuert, das Dach abgedichtet, der Keller entfeuchtet, Wände und Bodenbeläge ausgebessert und barrierefreie Sanitäranlagen eingebaut; sogar das Mobiliar wird aufgearbeitet. Am Tag der Städtebauförderung dürfen die Fortschritte der Baustelle bereits in Augenschein genommen werden; Ende 2019 soll die Hansabibliothek komplett fertig sein.

Künftige Generationen

Die Bücherei dürfte durch die Sanierung bestens für die Anforderungen der kommenden Generationen gerüstet sein. Bereits vor einigen Jahren zählte sie täglich rund 300 Besucher, die Medien ausliehen oder einfach vor Ort arbeiteten. Zur Lesekultur gesellt sich aber noch ein anderer Aspekt. „Mit der Sanierung der Hansabibliothek kommen wir einen Schritt weiter in Richtung Welterbeprojekt, das für das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee vorgesehen ist“, so Dornbusch.

Auch in Zukunft soll die Bibliothek neben ihrer Funktion als Lern- und Literaturort einen lebendigen kulturellen Treffpunkt und identitätsstiftenden Anker für die Menschen im Hansaviertel darstellen. Der Literat Christian Morgenstern (1871–1914) sagte einmal: „Über jedem gutem Buche muss das Gesicht des Lesers von Zeit zu Zeit hell werden.“ Ein schöner Gedanke, den ein Besucher vielleicht einmal im lichten Atrium der neuen Hansabibliothek mit einem anderen teilen möchte …