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Kreuz und quer und dennoch irgendwie geordnet ziehen Kinder, Teenager, junge Erwachsene, aber auch ältere Semester auf bewegten Brettern souverän ihre Bahnen und Runden. Seit Dezember 2018 trifft sich die Skaterszene auch im Moabiter Poststadion. Über 1.000 Quadratmeter erstreckt sich der neu errichtete Skatepark, gefördert mit rund 900.000 Euro aus dem Programm „Stadtumbau“.

Gemeinsam abhängen?

Wörtlich genommen trifft dies wohl kaum zu, denn die aktiven Skater und BMX-Fahrer wollen einfach in entspannter Atmosphäre ihre gemeinsame Freizeit verbringen – und das können sie seit Dezember auch im neuen Skatepark des Poststadions. „Wir sind beste Freunde und kommen alle zwei Wochen hierher“, sagt der 22-jährige Tamas mit zehn Jahren Skateboarderfahrung. Sein zwei Jahre älterer Freund Ferdinand, der den Sport auf Rollen bereits vor 18 Jahren für sich entdeckt hat, ergänzt: „Fürs Skaten nimmt man generell schonmal einen Weg auf sich, ich komme zum Beispiel aus Friedrichshain nach Moabit.“

Sport und Erholung mit Vorgeschichte

Skaten ist nur eines von unzähligen Hobbys, die man im SportPark Poststadion mit dem dazugehörigen Fritz-Schloß-Park nach Herzenslust ausleben kann. Auf dem zirka zwölf Hektar großen Areal kommen selbst Ruderer, Rodler, Basketballer, Tennisspieler, Minigolfer, Läufer, Fans des Street Workout und Rollsportler auf ihr gewünschtes Bewegungspensum – individuell, mit Freunden und Familie oder organisiert über einen Verein. Während Naturliebhaber auf verschlungenen Wegen spazieren, kleine Hügel über Kletterpfade erklimmen oder sich auf grünen Wiesen sonnen, können Kinder auf Spielplätzen toben und Tierliebhaber mit ihren vierbeinigen Freunden im Hundegarten trainieren. Im Stadtbad Tiergarten ziehen Schwimmer ihre Bahnen; eine Wellnesslandschaft und eine Kletterhalle, beide in privater Trägerschaft, liegen zudem in direkter Nachbarschaft des SportPark – mehr dazu unter sportparkpoststadion.de.

In den 1920er-Jahren begann alles. Nach den Plänen des Architekten und damaligen Sportfunktionärs Georg Demmler (1873–1931) wurden zunächst die Sportanlagen erbaut. Herzstück bildete das Poststadion mit 35.000 Zuschauerplätzen und Tribünengelände – damals ein modernes Fußballstadion von überregionaler Bedeutung. Rund 30 Jahre später entstand auf Trümmerbergen des Zweiten Weltkriegs der hügelige Fritz-Schloß-Park; im Ersten Weltkrieg wurde dieser Bereich noch als Exerzierplatz der Preußischen Armee genutzt. Im Jahr 1990 erhielt das Poststadion seine Auszeichnung als Baudenkmal, seitdem stehen unter anderem der Stadionwall, das Tribünengelände, die ehemalige Schwimm- und Ruderhalle sowie der Eingangsbereich mit Kassenhäuschen unter Denkmalschutz.


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Auf dem zirka zwölf Hektar großen Areal kommen selbst Ruderer, Rodler, Basketballer, Tennisspieler, Minigolfer, Läufer, Fans des Street Workout und Rollsportler auf ihr gewünschtes Bewegungspensum

Kein Skatepark wie der andere

Hinter der Mauer des ehemaligen Moabiter Frauengefängnisses liegt neben dem historischen Eingangsbereich an der Lehrter Straße inzwischen der neue Skatepark. „Die neuen Anlagen sind viel besser, da die Elemente nicht mehr so nah beieinander stehen“, erklärt Ferdinand. Bei älteren seien manche Stellen so eng gestaltet, dass sie überhaupt nicht befahrbar seien. Bei der sportlichen Planung des Skateparks waren Spezialisten des 1. Berliner Skateboard Vereins e. V. involviert. So gibt es eine ebene Fläche mit Streetelementen zum Überspringen und Überfahren, dazu eine tieferliegende Flowsection mit Rampen unterschiedlicher Neigungen und Kurvenradien. Im abgesenkten Innenbereich von einem Dreiviertel bis zwei Metern sind Elemente wie Flatrails oder Speedbumps angebracht.

„Außerdem ist der Untergrund zum Skaten gut geeignet“, ergänzt Tamas, „der Beton ist in einem Stück gegossen.“ Die früheren Anlagen aus Asphalt mit Holzrampen seien längst nicht mehr angesagt. Rund 900.000 Euro aus dem Förderprogramm „Stadtumbau“ wurden in den modernen Skatepark gesteckt. Plötzlich rauscht die 26-jährige Melissa auf ihrem Board über den glatten Boden: „Es ist echt cool hier und auch für Anfänger gut geeignet!“ Rund um die Anlage gibt es ausreichende Sitzgelegenheiten, Stangen und Bänke, teilweise in bepflanzten Grünbereichen. So können sich die Sportler ausruhen, stärken und austauschen. Kurz: abhängen. „Skaten ist Lifestyle“, sagt Ferdinand und freut sich, dass in direkter Nachbarschaft sogar ein Supermarkt vohanden ist, denn die Freunde wollen die Nachmittagsstunden bis zum Abend im Skatepark verbringen.